Felix Klieser
EIN KALEIDOSKOP NORDISCHER KLANGFARBEN
Felix Klieser liebt Herausforderungen. Für sein neuestes Album „Northern Colours“ hat sich der vielseitige Hornist anspruchsvollen Werken skandinavischer Komponisten wie Rolf Martinsson, Kurt Atterberg, Edvard Grieg und Jean Sibelius gewidmet. Begleitet wird Felix Klieser von der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken unter der Leitung des englischen Dirigenten Jamie Phillips. Das Album „Northern Colours“ wird am 25. April 2025 beim Label Berlin Classics veröffentlicht.
Im Zentrum dieses Albums steht das Werk „Soundscape – A Walk in Colours“, Op. 118 von Rolf Martinsson (*1956). Der schwedische Komponist hat bereits zwei Solokonzerte für Blechblasinstrumente geschrieben, darunter das „Concert Fantastique“ (2010) für den Klarinettisten Martin Fröst. Die Begegnung mit Felix Klieser und ein Konzertbesuch in der Elbphilharmonie Hamburg inspirierten Rolf Martinsson dazu, ein Hornkonzert für den Ausnahme-Hornisten zu komponieren. „Die Begegnung mit Felix Klieser hat mich maßgeblich beeindruckt. In unserem Gespräch erhielt ich nicht nur Ideen für den Charakter und den Titel des Werks, sondern auch für die musikalischen ‚Soundscapes‘, die ich schaffen wollte“, sagt Rolf Martinsson. So entstand nicht nur die Idee zum Album, sondern auch das zentrale Werk.
„Soundscape – A Walk in Colours“ beschreibt der Komponist selbst als ein einsätziges Konzert, das sich in fünf klar unterscheidbare Teile gliedert. Es beginnt mit einer dramatischen Eröffnung, die in einen langsamen Teil übergeht. Hier treffen Solist und Orchester in einem thematischen Wechselspiel aufeinander. Im dritten Teil geht die Musik in eine ruhige Klanglandschaft über. Den vierten Teil vergleicht der Komponist mit einer langen Arie für Horn und Orchester. Der fünfte Teil schließlich ist die Rückkehr zu den dramatischen Eröffnungssequenzen. Die Uraufführung von „Soundscape“ fand am 20. März 2022 in Saarbrücken mit Felix Klieser und der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter Dirigent Petr Popelka statt und wurde vom SR live übertragen.
Neben Martinssons Werk umfasst das Album ein weiteres Hornkonzert: das Konzert in a-Moll von Kurt Atterberg (1887-1974). Der aus Göteborg stammende Komponist ließ sich ähnlich wie Rolf Martinsson von der Virtuosität eines talentierten Solisten inspirieren – dem Hornisten Axel Malm (1888-1965). Das Werk besticht durch eine spätromantische Melodik und bravourösen Passagen, vor allem in hohen Lagen, die eine Herausforderung für Felix Klieser darstellten. „Im Adagio finden sich endlose Phrasen und Melodien, eher untypisch für unser Instrument. Diesen Satz zu überstehen ist schon sportlich“, sagt Felix Klieser. „Atterberg hat an manchen Solopassagen ‚Violoncello ad libitum‘ notiert. Hier könnten wir Hornisten verschnaufen. Aber das war für mich irgendwie nichts, ich habe den Part einfach durchgespielt.“
Abgerundet wird das Album durch zwei zusätzliche Stücke, die die nordischen Wurzeln des Albums vertiefen. Das erste Werk ist „Solveig’s Song“ von Edvard Grieg (1843-1907) in einem Arrangement von Wolfgang Renz (*1945). Der in Augsburg lebende Komponist kennt Felix Klieser seit vielen Jahren und weiß von dessen steter Suche nach neuen Herausforderungen. Das andere Werk ist „Der Schwan von Tuonela“ von Jean Sibelius (1865-1957) mit einem markanten Solo für ein Holzblasinstrument, dem Englischhorn. Felix Klieser übersetzt diesen Part auf das Horn und schafft damit neue Klangfarben. „Wenn man immer im Hornrepertoire bleibt, lernt man die Grenzen nicht kennen“, schmunzelt Felix Klieser.
„Northern Colours“ ist damit nicht nur eine Hommage an die nordische Musiktradition, sondern auch ein eindrucksvolles Zeugnis der kreativen Zusammenarbeit zwischen Komponisten und Interpreten. Ein Album, das durch weite Klänge und emotionale Tiefe verzaubert.